Die DSL-Gallier in der Oberlausitz


Ich gehöre ja nicht zu den Leuten, die sich leicht entmutigen lassen, wenn ich mir erst einmal etwas in den Kopf gesetzt habe – zur Not würde ich mir selbst eine Leitung von Berlin in die Oberlausitz legen. Aber, da ich ja nicht die einzige mit diesem Problem bin, beschloss ich meine Fühler auszustrecken und nach Leidensgenossen und Alternativen zu suchen. Der Dickschädel im positiven Sinne scheint auch eine sächsische Eigenschaft zu sein, die ich von meinem Vater geerbt habe.

Erst hörte ich von einem Spezialisten, einem Geheimtipp, der angeblich Antennen auf den Dächern installiert, damit die Leute doch ins Netz kommen und dessen Geschäft zu florieren scheint. Und dann fand ich den Schmalbandatlas .

Ach Du Sch…., es gibt noch Schmalband?

Schmalband wirkt natürlich erst einmal völlig abschreckend. Wer nicht weiß, was das sein soll: das waren die Internetverbindungen vor DSL, als man noch mit einem pfeifenden Einwahl-Modem ins Netz ging und nicht nur genervt war, weil jede Übertragung so lange dauerte, sondern weil man auch noch mehr bezahlen muss, je länger es dauert. Die Übertragungsgeschwindigkeiten der Schmalband-Verbindungen liegen liegen gerade mal zwischen 56 kbit/s und 128 kbit/s, je nachdem, ob man einen Analog-, einen ISDN- oder einen IDN-Anschluss mit Kabelbündelung hat. Aber auch die beste Variante ist völlig unbrauchbar, wenn man mehr machen möchte, als Mails zu verschicken. Damals, als es noch kein DSL gab, war es schon so, dass man sich einen Kaffee kochen konnte, während sich eine Webseite aufbaute. Heute – mit all den Bildern und Video-Contents auf den Seiten – kann man wahrscheinlich erst einmal joggen gehen.

Oliver Goretzki, seit 18 Jahren im Bereich Webentwicklung und EDV-Beratung tätig, hatte anscheinend die gleichen Gedanken, als er die Webseite Schmalbandatlas schaltete, die eigentlich ein „Breitbandatlas“ ist: „Mit unserem Breitbandatlas möchten wir nicht nur Betroffenen und Interessenten zeigen welche Anbieter in ihrer Nähe sind. Wir hoffen auch den Anbietern einen Anreiz zum Ausbau der „weißen Flecken“ geben zu können. Die eingetragenen Interessen sind auf unserer Karte kostenfrei aber anonymisiert sichtbar. Regionen mit einer hohen Dichte an Interessenten sind erkennbar.“

Hoffnung!

Nun, ich werde Herrn Goretzki mal kontaktieren – vielleicht ist er ja sogar zu einem Interview bereit. Leute, die sich für die Lösung von Problemen einsetzen, um die sich die „Großen“ nicht zu kümmern scheinen, finde ich immer sehr interessant. Da ich weder die Zeit noch die Lust habe, nach Hessen zu reisen, werde ich ihm dazu die Aufzeichnung einer Skype-Konferenz vorschlagen – noch bin ich ja in Berlin…

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