Viele Wege führen ins Netz?


Mond und KabelDas habe ich jedenfalls gedacht und musste mich eines Besseren belehren lassen, als ich Internet in meinem Häuschen auf dem Land in der Oberlausitz haben wollte. Also musste ich mich erst einmal schlau machen, welche Optionen und technischen Möglichkeiten für mich dort überhaupt zur Verfügung stehen und unter welchen Bedingungen. Damit Du nicht auch erst viele Stunden mit Recherchen verbringen musst, solltest Du auch in eine Gegend mit Funklöchern wollen, habe ich Dir hier eine nette kleine Übersicht zusammengestellt.

Einwahl mit Telefonmodem oder ISDN (Schmalband)

Es gibt tatsächlich noch Internet-Nutzer, die sich mit Telefonmodems (56 kbit/s) oder ISDN (zwei Kanäle à 64 kbit/s) herumschlagen. Tu Dir das bloß möglichst nicht an, wenn Du mehr willst, als ab und zu mal eine Email zu schreiben. Mittlerweile sind alle Webseiten derartig vollgepackt mit Bildern und Videos, dass Du wahrscheinlich schon 10 Mal um Dein Dorf gelaufen bist, bevor sich eine Webseite aufgebaut hat.

DSL (Breitband)

DSL ist nicht nur die kostengünstigste Möglichkeit, sondern bietet nach wie vor den schnellsten und stabilsten Datentransfer. Dazu kommt eine große Vielfalt an Paketen die man buchen kann – von Verträgen ohne Vertragslaufzeit bis Highspeed-Internet mit kompletter Vernetzung aller Geräte im Haus. Die Geschwindigkeit beginnt bei den gängigen Verträgen in der Regel bei mindestens 16 Mbit/s und geht derzeit bis zu bis zu 100 Mbit/s – bei steigender Tendenz – und die Datenmenge ist dabei in der Regel unbegrenzt. Zugangsgeräte wie ein Router werden häufig kostenlos gestellt, so dass Dir dadurch keine Kosten entstehen.

Für alle, die viel im Netz arbeiten, ist die Geschwindigkeit das größte Argument, denn Zeit ist Geld. Aber auch der angebotene Service und die Einfachheit der Handhabung bei der Konfiguration des Accounts und des Routers sollten nicht unterschätzt werden. Ich persönlich habe seit vielen Jahren nur gute Erfahrungen mit meinem Anbieter 1&1 und empfehle ihn daher mit gutem Gewissen weiter. Das Preis-Leistungsangebot stimmt einfach, der Service ist schnell und Anrufe zur Hotline in der Regel kostenlos. Die Verwaltung des Accounts und des mitgelieferten Routers FRITZ!Box sind ein Kinderspiel – auch für Neulinge.

Anschluss einfach selbst verwalten mit der FRITZ!Box

Ich nutze regelmäßig die Einstellungen meiner FRITZ!Box, z.B. um die Performance zu überprüfen, um Gästen einen Internetzugang zu gewähren oder um unerwünschte Anrufe dauerhaft oder übergangsweise zu blockieren. Nervige Umfrager oder Stalker wird man auf diese Art ganz leicht los. Und als meine Kinder anfingen, ständig mein Telefon zu belegen, habe ich ihnen ihre eigenen Telefonnummern eingerichtet. Vieles, was andere über ihren Kundenservice erledigen lassen, kann ich so schnell, kostenlos und unkompliziert selbst regeln. Ich habe schon einige Router eingerichtet und genutzt und würde nie wieder meine FRITZ!Box gegen einen anderen Router eintauschen wollen. Nebenbei, wer es noch nicht wissen sollte: die FRITZ!Box ist ein Original Berliner Produkt. 🙂

Das Problem ist: DSL ist nicht überall verfügbar oder bringt dann tatsächlich die Leistung, die Ihr gebucht habt. Solltet Ihr Eure bestehende DSL-Leitung und ihre Leistung mal grundsätzlich auf den Prüfstand stellen wollen, so könnt ihr das hier tun: Speed-Test

Der 1&1 Kundenservice hat mir übrigens zugesichert, dass Verträge, bei denen die Leistung aufgrund der technischen Infrastruktur weit unter den versprochenenen 16 Mbit/s des Anfängertarifs bleiben, automatisch von Seiten des Anbieters storniert werden. Solltet Ihr aber schon vor Eurer Bestellung genau wissen wollen, was geht oder nicht, ruft einfach dort an und der Kundenservice prüft Euer am Ort vorhandenes Netz auf die dort verfügbare Geschwindigkeit. Das habe ich gemacht und musste zu meinem Kummer erfahren, dass in meinem Haus in Sachsen derzeit kein DSL möglich ist. Das kann 10 Häuser weiter aber manchmal schon ganz anders sein.

Regionale Breitband-Anbieter

Was kaum jemand weiß: in Regionen, in denen noch kein DSL verfügbar ist, haben sich oft regionale Interessengemeinschaften organisiert, die dort eigene Breitbandverbindungen anbieten. Auf der Seite Schmalbandatlas sind einige von ihnen gelistet und Ihr selbst könnt dort Euren Bedarf eintragen. Vielleicht werdet Ihr ja bei einem von ihnen fündig. Außerdem erfahrt Ihr noch mehr zu technischen Fragestellungen, denn der Inhaber der Webseite ist – im Gegensatz zu mir – EDV-Berater. Weitere regionale Anbieter findest Du hier: Regionale Anbieter.

In der Nähe meines Hauses zum Beispiel gibt es WDSL Oberlausitz. Prinzipiell finde ich dieses Angebot jetzt gar nicht schlecht, aber ich weiß ja noch nicht genau, wie lange ich in der Oberlausitz bleiben werde. Das Internet wird hier übrigens nicht über die Telefonleitung, sondern via Funk (WIMAX) bereitgestellt und nennt sich deshalb W-DSL. Mehr zu WIMAX und wie es funktioniert erfährst Du bei teltarif-de.

Natürlich kannst Du nicht erwarten, hier die gleichen Konditionen vorzufinden, wie bei den großen Anbietern, doch dafür unterstützt Du bürgerschaftliches Engagement und bist näher dran an den Verantwortlichen.

Internet aus der TV-Buchse

Verschiedene Kabelanbieter werben mit dem Internet aus der TV-Buchse. Und TV-Buchsen hat ja fast jeder im Haus, nicht wahr? Das Angebot ist hier vergleichbar mit den DSL-Anbietern: Telefon, Highspeed-Internet und Digitales TV in einem Vertrag. Das klingt so einfach und unkompliziert, aber tatsächlich ist leider nicht jede TV-Buchse internetfähig, egal, was man Euch erzählt. In meinem Haus jedenfalls ist ein solcher Kabelanschluss nicht verfügbar. Einen schnellen Überblick zum Thema, der nicht allzu techniklastig ist, bietet dazu COMPUTER BILD. Hier kannst Du auch sehen, welchen Anbieter es mit welchen Konditionen an Deinem Ort gibt.

Datentransfers via Satellit

DSL via Satellit ist mehr oder weniger deutschlandweit verfügbar. Einfach eine Satellitenschüssel aufs Dach und dann wird mit High Speed zwischen 2 und 20 Mbit/s losgesurft. Klingt erstmal nach einer guten Lösung, die Chip kritisch unter die Lupe nimmt. Außerdem findest Du hier hier eine Übersicht über die verschiedenen Angebote: Internet über Satellit. Für mich ist das jetzt jedoch erst einmal keine Option. Die Anschaffungskosten für die technische Ausstattung und die Installation sind mir (vor allem im Verhältnis zur Geschwindigkeit) derzeit zu hoch und ich möchte auch keine Vertragsbindung über 1-2 Jahre eingehen.

Des einen Freud, des anderen LTE

LTE heißt die neue mobile Übertragungstechnik, die DSL-Geschwindigkeiten verspricht. Da ich noch nicht weiß, wie lange ich auf dem Land leben werde, lohnt es sich für mich derzeit nicht, mich vertraglich mit einem Anschluss vor Ort für ein oder zwei Jahre fest zu binden. Also teste ich jetzt die modernste Version: Internet über einen mobilen W-Lan Router, der LTE unterstützt. SIM-Karte einsetzen und ich kann damit ortsunabhängig fast überall mit bis zu 42,2 Mbit/s ins Netz: im Zug, am See oder eben in meinem Dorf. Und mit mir gleichzeitig noch 9 andere Geräte, denen ich den Zugang erlaube. Heißt, wenn Freunde oder mein Nachwuchs zu mir kommen, müssen auch sie nicht auf´s Internet verzichten und lassen mein Laptop in Ruhe. Meine Internet-Flat ist monatlich kündbar, so dass ich das Netz erst einmal testen kann und kein Risiko eingehe, denn LTE ist nicht gleich LTE. Wie auch sonst beim Mobilfunk sind ja die Netze von verschiedenen Anbietern regional unterschiedlich ausgebaut.

So, mein Problem, in der Oberlausitz vom Netz abgeschnitten zu sein und deshalb kein Geld verdienen zu können, scheint damit erst einmal gelöst. Das heißt, ich kann jetzt mal langsam Koffer packen. 🙂

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