Wenn die Realität die Virtualität einholt


Eigentlich war ich davon ausgegangen, meinen Traum vom ländlichen Wohnsitz relativ schnell und spontan zu realisieren. Unabhängig und mobil arbeiten, egal an welchem Ort – wie verlockend das klingt. Ich sitze in meinem Haus auf dem Dorf, mach meinen Job und bin mit dem Rest der Welt verbunden. Was in Afghanistan mühelos zu funktionieren scheint, müsste doch in der Oberlausitz erst recht funktionieren. Und nur, wenn es absolut notwendig zu sein scheint, fahre ich dann halt nach Berlin.
Pustekuchen.

Tatsächlich widme ich meine Zeit derzeit nicht meinen geplanten Kunst-und Kultur-Projekten, sondern lerne gerade alle Facetten und technischen Möglichkeiten der Internetübertragung kennen. Nun, wer weiß, wozu das gut ist – vielleicht erweitere ich ja damit einmal mein Beratungsangebot?

Gottseidank bin ich ein Technik-Freak.

Zuerst ging ich ja noch mit der Berliner Selbstverständlichkeit bei der Anbietersuche vor: wer hat das beste Angebot zum geringesten Preis. Bis ich beim Verfügbarkeitscheck ankam: „Das Angebot ist an Ihrem Ort leider nicht verfügbar.“ Und feststellen musste: kein Angebot eines der bekannten Anbieter scheint dort verfügbar zu sein. DSL-Netz? Vergiss es. Mobilfunk-Netz? Kenne ich schon von meinen Urlauben dort; in einer Ecke der Wohnküche im Obergeschoss kann man Empfang zum Telefonieren haben oder an einer bestimmten Stelle im Garten.- wenn nicht gerade zu viele Wolken da sind. Aber E-Mails oder surfen? Nix.

Da ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, dass Sachsen derart abgeschnitten von der Welt ist, rief ich meinen Internet-Anbieter an. Der Callcenter-Mitarbeiter schien einen Kloß im Hals zu haben: „Also ich könnte Ihnen jetzt unseren kleinsten Vertrag anbieten, den 16000, aber spätestens, wenn unsere Techniker da ranmüssen, wird der wieder storniert, weil da real nur eine Leistung von 2000 möglich ist. Opimistisch geschätzt. Realistisch sind es eher nur 1000. Das heißt, sie machen morgens Ihren Rechner an und abends sind die Mails da. Zumindest einige. Versuchen Sie es doch mal bei einem Kabel-Anbieter, vieleicht haben Sie da mehr Glück.“

Unfassbar für jeden Berliner. Hier, wo sich Verkäufer in den Räumen aller erdenklichen Internet- und Mobilfunkanbieter die Füße platt stehen, weil der Markt schon völlig gesättigt ist, wo lediglich die Frage eine Rolle spielt, ob man ein noch besseres, noch innovativeres Angebot annehmen sollte, hier ist es einfach unvorstellbar, dass es irgendwo in Deutschland kein Netz geben sollte.

Die Straßen in Sachsen sind mittlerweile deutlich besser als in Berlin, die Städte schick saniert, aber an die Datenautobahnen hat anscheinend niemand gedacht. Der Tourismus soll angekurbelt werden, Unternehmen angelockt, um Arbeitsplätze zu generieren, aber ohne Web-Auftritte, E-Mauls und Online-Marketing. Junge Leute sollen am Abwandern gehindert werden, aber an Facebook, Mediastreams und Youtube denkt niemand der Entscheidungsträger. Einfach unfassbar.

Es gibt ja keine Zufälle: am nächsten Tag erhielt ich per Mail ein Angebot meines Anbieters: „Als 1&1 Kunde ist Ihnen die Qualität der beliebten 1&1 Produkte bestens bekannt! Machen Sie dieses Wissen zu Geld! Registrieren Sie sich einfach gleich hier kostenlos und unverbindlich als 1&1 ProfiSeller und empfehlen Sie 1&1 DSL, 1&1 Mobile und Co. auch Ihren Freunden und Bekannten – wir bedanken uns mit attraktiven Provisionen. Mein Tipp: Melden Sie sich jetzt schnell kostenlos als 1&1 ProfiSeller an: Die 10 ersten neuen ProfiSeller freuen sich über ein ASUS ZenPad 10.0 als Willkommensgeschenk!“

Natürlich habe ich mich angemeldet und dann als neugebackener Profiseller eine Mail an 1&1 geschickt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
ich werde in Zukunft nicht nur in Berlin, sondern auch in der Oberlausitz beruflich im Bereich Unternehmensberatung, Gebietsentwicklung und Standortmarketing tätig sein und bin als treue 1&1-Kundin sehr erschüttert, dass es für mich dort auf dem Land wegen der fehlenden Infrastruktur anscheinend keine Lösung gibt, ebenfalls ein 1&1-Produkt insbesondere für den Datentransfer zu nutzen. Zufällig erhielt ich heute ein Angebot von Ihnen, Profiseller zu werden. Nun, der Markt in der Oberlausitz ist noch extrem ausbaufähig, so dass ich erst einmal angenommen habe. Wenn Sie mir Informationen zukommen lassen könnten, welche Produkte dort insbesondere im ländlichen Raum im Kreis Görlitz empfehlenswert sein könnten und unter welchen Bedingungen, wäre das sehr hilfreich, um zufriedene Kunden zu gewinnen. Vielleicht besteht ja auch eine Möglichkeit dort in meinem Haus einen eigenen Knotenpunkt einzurichten?“
Ich bin sehr gespannt, ob ich eine Antwort erhalte.

Und solltet Ihr Euch ebenfalls gerade nach Netzanbietern umsehen, dann schaut doch mal in meinen neuen Profi-Seller-Shop. Natürlich halte ich Euch auch auf dem Laufenden, was man als Profiseller so erleben kann. 🙂

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