9 Antworten, auf die du schon gewartet hast


Als ich ganz alleine auf dem Land gelebt habe, habe ich geübt, zielführend mit mir selbst zu reden und mich selbst zu coachen. In den vergangenen Monaten im Krankenhaus konnte ich das noch perfektionieren, weil man dort ja wegen COVID in der Regel keinen Besuch haben durfte. Mit irgendwem muss man ja schließlich reden und ich habe mich selbst als Gesprächspartnerin sehr schätzen gelernt. 😉 Nein ich bin nicht verrückt, sondern nur kreativ. Das kannst du jetzt feststellen, denn ich beantworte dir jetzt die neun Fragen, von denen du noch gar nicht wusstest, dass sie dich brennend interessieren! Ein Interview mit mir selbst.

1. Luna: Findest du nicht, dass das jetzt ein krasser Themenwechsel ist – von der Stadtflucht zum Leben mit Krebs?

tRaumpilotin: Kann schon sein, aber Dinge ändern sich halt. Tatsächlich hatte ich auch wirklich erst einmal eine Schreibblockade, als ich zurück nach Berlin gezogen bin. Ich hatte das Gefühl, dass mein Konzept jetzt irgendwie nicht mehr stimmt. 

Aber jetzt sehe ich das anders. Es geht hier nicht vorrangig um die Oberlausitz und das Landleben, sondern um interessante Menschen und Orte und die Suche nach dem Glück. Nein, falsch: das Realisieren von Glück ☺️ Und um mich selbst natürlich auch. 

2. Luna: Willst du mir jetzt ernsthaft erzählen, dass man mit Krebs glücklich sein kann?

tRaumpilotin: Nicht nur das. Ich hatte in den vergangenen Monaten so viele Glücksmomente wie sehr lange nicht in meinem Leben. Schau mal in meinen YouTube-Kanal, da wirst du es auch sehen.

3. Luna: Wirst du uns davon erzählen? 

tRaumpilotin: Ich werde über Glück, Unglück, Trauer, Hoffnung und Wut schreiben, denn das gehört zum Leben dazu.

Und über das Gefühl hilflos und gescheitert zu sein. Aber wir werden auch sehr oft zusammen lachen. So wie immer. Das verspreche ich!

4. Luna: Worauf muss ich mich jetzt einstellen? Kommen jetzt nur noch Texte über Chemos, Behindertenausweise und so?

tRaumpilotin: Ich werde natürlich über meinen Alltag mit Krebs schreiben und den einen oder anderen Tipp geben. Aber mein Leben besteht ja – Gottseidank – aus so Vielem mehr.

Aus diesem Blog zum Beispiel. Ich habe übrigens überlegt, einigen Leuten den Wunsch zu erfüllen und ab und zu auch einen Praxis-Tipp zum Thema Marketing zu schreiben. Einen werde ich schon bald veröffentlichen, nämlich wie ich meine Webseite wieder zum Laufen gebracht habe. Die ist nämlich mehr oder weniger just in dem Moment abgeschmiert, als ich im Krankenhaus gelandet bin.

5. Luna: Das heißt, du vermischst jetzt Berufliches und Privates? Ist das nicht ungewöhnlich?

tRaumpilotin: Tue ich das nicht immer? Keine Sorge, du wirst auch jetzt keine Bikinifotos von mir zu sehen bekommen! (lacht laut). Aber du hast natürlich Recht. 

Wenn man die klassische Karriere anstrebt, tut man so etwas natürlich nicht. Da spielt man in der Regel nur die Rolle, die von einem erwartet wird und ist ausschließlich in den Ferien oder am Wochenende privat. Wenn man dann überhaupt noch weiß, wer man ist und nicht den täglichen Frust mit irgend etwas Blödsinnigem kompensiert.

Und wenn man Erfolg primär dadurch definiert, wie viel Geld man auf dem Konto hat – mein Haus, mein Auto, mein Boot – vernachlässigt man auch schnell gerne mal seine soziale Verantwortung. Ehrlichkeit und Mitgefühl sind in der Regel eher ein Hindernis beim reich werden und Großzügigkeit lässt deinen Kontostand eher dahinschmelzen als ansteigen.

Das war bei mir nie der Fall. Ich definiere meinen Erfolg nicht vorrangig über Geld. Aber natürlich brauche auch ich Geld zum Leben.

Nebenbei: ich war und bin auch auf „du und du“ mit ziemlich wichtigen Leuten und die schätzen sehr, dass ich vor allem die Person in ihnen sehe und nicht das Kapital, das ich aus ihnen herausschlagen könnte. Und ich bekomme auch aktuell noch regelmäßig Anfragen, ob ich nicht einen lukrativen Architektenjob als Projektentwicklerin annehmen möchte. Aber nein, ich möchte nicht dabei unterstützen, vorrangig den maximalen Gewinn aus einem Grundstück herauszuholen für eine Klientel, die nicht weiß, wohin mit ihrer Kohle und ohne Rücksicht auf Verluste.

Ich lebe und arbeite lieber im Einklang mit meiner Umwelt, mit anderen Menschen, mit der Natur und mit mir selbst. Wenn ich das schaffe, dann ist das für mich ein riesen Erfolg.

Für mich war und ist es auch immer ungemein wichtig, etwas zu tun, was ich sinnvoll finde, nicht nur für mich, sondern auch für andere. Das geht nicht ohne Ehrlichkeit, Authentizität und Professionalität. 

Und weil das für die Menschen, mit denen ich beruflich zu tun haben will, ebenfalls wichtig ist, ist es zwangsläufig auch nur logisch auch sein privates Gesicht zu zeigen. So einfach ist das.

6. Luna: Ich stelle mir das aber jetzt gar nicht so einfach vor, wenn man immer offen die Karten auf den Tisch legt. Da macht man sich doch auch angreifbar. Oder wenn man für andere ein Looser ist, weil man mit 50 immer noch einen Gebrauchten fährt anstatt den neuesten SUV?

tRaumpilotin: Da hast du natürlich nicht ganz unrecht. Es ist nicht einfach. Im Gegenteil: um ehrlich zu sein, braucht man schon richtig Arsch in der Hose, also eine ordentliche Portion Mut.

Lügen und etwas vorgaukeln (viele Neuwagenfahrer*innen sind ja eigentlich auch nur hoch verschuldet) scheint immer so viel einfacher zu sein. Zumindest bis irgendwann dann mal irgendetwas schief läuft. Dann steht man nämlich oft alleine da. 

Bei mir ist das nicht so. Als ich krank geworden bin, habe ich gemerkt, dass ich im übertragenen Sinne ein ganzes Dorf von Menschen habe, die sich um mich sorgen und mich sehr gerne in irgendeiner Form unterstützen wollen. Obwohl sie weder mit mir verwandt oder verschwägert sind.

Ich spüre ganz viel Liebe und Wertschätzung auch von Menschen, bei denen ich das gar nicht vermutet hätte und von denen ich auch nichts erwarten würde.

Gibt es irgend etwas, dass das noch toppen könnte?

Aber natürlich gibt es auch immer Leute, die sich förmlich aufgefordert fühlen, ehrliche und offene Menschen ganz offensichtlich über den Tisch zu ziehen, weil sie sie für ein bisschen minderbemittelt halten.

Ist mir auch schon oft passiert. Gerade auch in der Oberlausitz muss ich leider sagen. Aber man muss sich ja nicht über den Tisch ziehen lassen und kann auch jederzeit die Konsequenzen daraus ziehen, wenn es dann doch passiert. 

Letzten Endes ist es doch so: ich muss mich doch nicht mit jedem abgeben. Ich hab doch die Wahl. Es gibt doch so viele ehrliche, empathische, kreative und inspirierende Menschen. Wenn die mich wertschätzen, kann ich mit Leichtigkeit auf die anderen Leute verzichten. 

Aber das Ego – deins und meins – braucht natürlich auch immer genau diese Rückenstärkung durch andere Menschen, um stark bleiben zu können und sich wohl zu fühlen.

Leider Gottes ist ja das vorherrschende Credo in unserer Gesellschaft: du hast jung zu sein, schön, gesund und reich. Dein Job muss natürlich perfekt sein, dein*e Partner*in auch, genau wie dein Auto, dein Haus, dein Club. Ansonsten bist du – nichts. Zumindest wird es so suggeriert. 

Hallo, klingeln da irgendwelche Glocken? Kann das DIE Anleitung zum Glücklichsein sein? Mit Sicherheit nicht. Und mit der Realität hat das doch schon einmal überhaupt nichts zu tun.

Also gibt es nur eins: hege, pflege und schätze die Menschen, die dir gut tun und ignoriere die anderen.

Sollen die sich doch mit ihren bad vibes selbst ersticken. Du wirst es sowieso nie schaffen jung, gesund, reich etc. zu werden und immer zu bleiben. Vergiss es. Niemand schafft das.

7. Luna: tRaumpilotin heißt doch, dass man eine Vision hat, die man ansteuert und real werden lässt?

tRaumpilotin: Genau. Wenn ich etwas nicht tue, auch nicht jetzt, dann mich zurücklehnen, jammern und alles über mich ergehen lassen. Wenn man glücklich und in irgendeiner Form erfolgreich sein möchte (gesund sein gehört dazu), dann muss man das schon selbst in die Hand nehmen und aktiv etwas dafür tun.

Außerdem gehören auch Bruchlandungen zum Leben dazu und Ziele ändern sich. Das Leben besteht nicht nur aus Höhenflügen. Bei niemandem. Die Frage ist doch eher: wie geht man mit der jeweiligen Situation um?

Mein Ziel war immer, andere bei der Fokussierung und Realisation ihrer Träume zu unterstützen und ist es auch jetzt noch.

8. Luna: Schreibst Du jetzt gar nicht mehr über das Landleben in der Oberlausitz?

tRaumpilotin: Du wirst lachen: es vergeht kein Tag, an dem ich nicht davon träume, dort durch die Landschaft zu fahren. Ich liebe die Oberlausitz nach wie vor. Und gerade jetzt kommen auch Erinnerungen hoch an interessante Leute, die ich dort kennengelernt habe.

Mit Sicherheit werde ich rückblickend noch etwas dazu schreiben. Außerdem träume ich immer noch vom Leben auf dem Land. Allerdings nie wieder alleine. Das war eine sehr interessante Erfahrung und ich bin auch stolz, dass ich das geschafft habe, aber ich rede trotzdem lieber täglich mit Menschen, die mir nahestehen anstatt mit der Hausspinne oder den Nacktschnecken im Garten oder mit mir.

9. Luna: Hast du keine Angst, dass du jetzt ganz viele Abonnent*innen verlierst?

tRaumpilotin: Nö – wieso? Ich glaube, meine Abonnent*innen mögen vor allem die Art und Weise, wie ich schreibe und deshalb bleiben sie mir auch treu. Und dazu kommt: meine Themen bewegen doch viele Menschen.

Die meisten Menschen haben Träume, die sie gerne realisieren möchten, vor allem jenseits der 40. Viele überlegen, wie es wäre, einen krassen Bruch zu machen und in jeder Familie gibt es auch noch mindestens eine*n mit Krebs.

Ich gehe also eher davon aus, dass ich sehr bald noch mehr Leser* innen haben werde. 😁

In diesem Sinne, bis bald! 

Deine tRaumpilotin 💗

[11 Monate nach Erstdiagnose SCLC (kleinzelliges Bronchialkarzinom)]

Übrigens, teste doch mal an, was dabei herauskommt, wenn du dich selbst interviewst und du ehrlich antwortest. Und halte mich auf dem Laufenden, wenn du magst!

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